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Full text of "Briefe aus dem Kantkreise [microform]"

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MASTER 

NEGA TIVE 

NO. 93-81613-24 



MICROFILMED 1993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



as part of the 
"Foundations of Western Civilization Preservation Project" 



Funded by the 
NATIONAL ENDOWMENT FOR THE HUMANITIES 



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A UTHOR: 



VAIHINGER, HANS 



TITLE: 



BRIEFE AUS DEM 
KANTKREISE... 



PLACE: 



KÖNIGSBERG 



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1880 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 



Master Negative # 



BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGET 



Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record 






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Vaihlngert Hans, 1862- ^^^S* / 

Briefe aus dem Kantkreise» mitgetheilt von*«« 
Hans Vaihinger.«« Königsberg i« Pr«» Rosbach» 
1880 • 

16 p« 2^ om« 



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NEW YORK. 



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Briefe aus dem Kantkreise. 



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Mitgetheilt 




von 



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Dr. Hans Vai^iüiger, 

Privatdocent in Strassburg. 



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Königsberg i. Fr. 

Gedrucljt in der Albert Kosbach' sehen Buchdriickerei. 

1880. 








Aus der 
Altpreussischen Monat8S(;lirift 

herausgegeben von 
H. neicke und E. Wiehert 

Bd. XVII. Hft. 3 u. 4. S. 28ü~299 
heßc"dars abgedruckt. 



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Vor einiger Zeit las man die Notiz, dass Herr Bibliothekar M. Isler 
in Hamburg, aus dem auf der dortigen Stadtbibliothek aufbewahrten 
Nachlasse von Villers, Briefe von Constant, Görres, Goethe, J. Grimm 
Jacobi, Klopstock, Schelling u. A. an denselben herausgegeben habe. 
Dies legte die Vermuthung nahe, dass in dem Nachlasse auch Briefe 
von Kantianern und speciell aus dem Königsberger Kreise sich vorfinden 
möchten. Auf eine diesbezügliche Anfrage — es wurden als eventuelle 
Correspondenten Kink, Schultz, Jäsche, Borowski, Kraus, J. B. Erhard, 
Jenisch, Kiesewetter u. A. genannt — hatte HeiT Isler die Freundlichkeit, 
die Auskunft zu geben, dass Kiesewetter mit Einem, Kink mit sieben 
Briefen vertreten sei. Ausserdem seien vorhanden drei Briefe von 
Suabedissen und sechs von Gerstenberg. Zwei der Letzteren hat Herr 
Isler in der Auswahl S. 68 ff. abdrucken lassen; sie sind thatsächlich 
ein interessanter Beitrag zur Kantliteratur. Die drei interessantesten 
Briefe Rinks folgen hier. 

Zur allgemeinen Orientirung mögen folgende Notizen dienen: 
Charles de Villers (1765—1815. Vergl. über ihn W. v. Bippen, 
Ch. V. Vill. und seine deutschen Bestrebungen. Preuss. Jahrb. Bd. 27. 
S. 288—307) bestimmte sich, um mit seinem Freunde J. D. Brandis 
zu reden, zum Vermittler zwischen zwei grossen Nationen. Während 
aber Mme de Stael mehr die Literatur zu ihrem Felde für diese Ver- 
mittlung erkor, war es insbesondere die Kantische Philosophie, welche 

1* 



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— 4 — 

Villers bei seinen Landsleuten einzubürgern suchte. Schon in seinen 
,Lettres Westphaliennes* 1797 liatte er der Kantischen Philosophie 
eine eingehende Würdigung zu Theil werden lassen. Unter dem 12ten 
Mai 1799 übersandte er an Kant eine französisch verfasste Darstellung 
der Kritik der reinen Vernunft, vermuthlich mit der Bitte, Kant möchte 
die Authenticitat und Riclitigkeit seiner Wiedergabe bestätigen. Rink 
gab dieselbe in deutscher Uebersetzung (er nennt den Verf. indessen 
mehrfach Vilters) bekanntlich in seinem gegen Herder gerichteten Buche: 
„Mancherley zur Geschichte der metakritischen Invasion" u. s. vv. Kö- 
nigsberg 1800 „mit Kants Genehmigung" als Gegenstück auslandischer 
Würdigung Kants gegenüber Herders missgünstiger Metakritik. Diese 
Anerkennung ermuthigte Villers sein Hauptwerk: Philosophie de Kant, 
ou principes fondamentaux de la philosophie transcendentale, Metz und 
Paris 1801 herauszugeben. Auf Napoleons Anregung machte er daraus 
einen als Broschüre erschienenen gedrängten Auszug unter demselben Titel. 
Den nöthigen Briefwechsel mit Kant hierüber besorgte von Seiten 
des alternden Kant Rink. So wurde dieser einer der ca. 300 Corre- 
spondenten des thätigen und verdienten Franzosen, dessen Briefwechsel 
in drei starken Quaribänden in Hamburg aufbewahrt wird. Die Briefe 
von Villers an Rink sind sicherlich auch der Veröffentlichung würdig, 
falls sie aufzufinden sind. Briefe von Villers an Kant finden sich wohl 
in dessen Nachlass*) und kämen dann in die von Reicke und 
Sintenis veranstaltete Sammlung, auf welche die gelehrte Welt mit 
Spannung wartet. 

I. Rink an Villers. 

Königsberg, d. 17. July 1800. 

_ Dass Kant Ihr Schreiben nicht beantwortet 

hat, nehmen Sie doch ja seinem Alter und seiner Schwäche nicht übel. 
Er beantwortet fast keinen Brief mehr, von so vielen trefflichen Ge- 
lehrten er auch Zuschriften erhält, und, beynahe mögte ich sagen, er 



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— 5 — 

ist nicht mehr im Stande, sie zu beantworten. Indessen schäzzt er Sie 

sehr,*) und lässt sich Ihnen bestens empfehlen. 

Königsberg, den 18*«" April 1801. 

Mein Herr! 
Ihre gütige Zuschrift vom 8*«" dies: Monates hat mir ungemein 
viele Freude gemacht, theils als Beweis Ihrer gütigen Gesinnungen für 
mich, theils als Beleg Ihrer edeln und schäzzbaren Wirksamkeit für 
das Beste ächter Philosophie. Dass Sie an einer ausführlichen Dar- 
stellung der crit: Philos: für Ihre Landslcute arbeiteten, davon war 
ich unterrichtet, aber dass deren Erscheinung im Publicum so nahe 
bevorstehe, hatte ich nicht gehofft. Wahriich! Sie haben als Ausländer 
Schwierigkeiten überwunden, an denen die Versuche vieler Deutscher 
und Einländer gescheitert sind. Um so ehrender ist für Ihre Talente 
die glückliche Beendigung dieses nicht weniger kühnen, als mühsamen 
Unternehmens. Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen dazu Glück, 
denn dass Sic Ihren Endzweck sicher zu erreichen hoffen durften, daran 
lassen Ihre bisher gegebenen trefflichen Proben bey Niemand weiter 
einigen Zweifel übrig. Und so darf auch ich es Ihnen denn nicht erst 
sagen, mit welchem sehnlichen Veriangen ich Ihrer Exposition ent- 
gegensehe. ') Das mir gütigst zugedachte Exemplar derselben werde ich, 
als mir zwiefach schäzzbar, nicht nur sorgfältig aufbewahren, sondern 
Studiren, und die beyden andern Exemplare sollen, sobald ich sie er- 
halte, Ihrer Bestimmung gemäss, an Kant und Schulz ausgeliefert 
werden. Beyde empfehlen sich Ihnen, so wie mein Freund Jähsche, 
auf das Angelegentlichste, und freuen sich gleichfalls über die durch 
Sie begründeten Fortscliritte, welche die crit: Philos: höchstwahrschein- 
lich in Frankreich machen wird. Schulz arbeitet nun würklich an der 
Fortsezzung seiner Prüfungen, aber Alter, Kränklichkeit und man- 



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*) Die uns vorliegenden Sammlungen enthalten leider keinen Brief von Villers. 

Beicke. 



») Dass dies keine blosse Höflichkeitsversicherung war, geht aus Keicke, 
I Kantiana S. 37 hervor. Schultz gibt daselbst auf die Wald'sche Frage, wen Kant 
unter den Verbreitern seines Systems im Ausland geschätzt habe, die Auskunft, dass 
dies Herr Villers gewesen sei. V^l. ib. S. 23. 32. 

-) Diese »Exposition* ist die oben erwähnte Schrift; »Philosophie de Kant* 

vom Jahre 1801. 






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— 6 — 

cherley Amtsgeschäifte verursachen ihm viele Hindernisse. 3) Geraume 
Zeit wollte er sich gar nicht mehr zu einer solchen Fortsezzung ver- 
stehen, indem er den durch Fichte Mode gewordenen Scheltnahmen eines 
Buchstäblers nicht gerne entgegennehmen wollte, und dieser Umstand 
wurde denn die nächste Veranlassung zu jener bekannten Erklärung Kants 
über Fichte. Seit der Zeit hat nun Schulz wieder die Feder ergriffen. ') 

Sie sind mit Ihren Landsleuten, von Seiten der Philosophie, auch 
gar Übel zufrieden. Aber Sie haben freylich auch sehr gegründete 
Ursachen es zu seyn. Bei dem originellen Genie Ihrer Nation indessen, 
alles, auch die schwierigsten Gegenstände, mit ungemeiner Leichtigkeit 
aufzufassen und zu verarbeiten, hoffe ich, dass, wenn Sie nun eiumahl, 
wie Sie sagen, die Brükke werden geschlagen haben, Sie dort viele 
Nachfolger finden werden. Aus einem Briefe des Citoyen Theremin 
zu Paris an seinen Bruder in Memol, den dieser an Kant schikkte, 
weiss ich, dass Sieyes sehr begierig ist, mit der crit: Philos: genauer 
bekant zu werden, und ich hoffe, es wird Ihrem Vaterlande nicht an 
ähnlichen Männern, und diesen nicht an ähnlichen Wünschen fehlen.*) 

Dem zufolge, was Sie mir von Ihrer Vorrede sagen, bin ich auch 
auf diese sehr neugierig. Schade, dass ich es nicht gewusst habe, dass 
Sie Willens waren, auch eine biographisch-litterarische Notiz von Kant 

3) Diese hier in Aussicht gesteUte Fortsetzung ist leider nicht erschienen. Der 
erste Theil der ^Prüfung der Kantischen Kritik der r. V.« von Schultz erschien im 
Jahre 1789, der zweite 1791; Einleitung und Aesthetik werden darin gegen die 
hauptsächlichsten Gegner vertheidigt. Schultz starb ein Jahr nach Kant, i. J. 1805 
Sollten sich nicht die jedenfalls sehr interessanten ßeste des hier als in Angriff ge- 
nommen dargestellten Werkes noch auffinden lassen? 

') Dies ist eine dankenswerthe und meines Wissens bis jetzt unbekannte Notiz 
In der bekannten Erklärung gegen Fichte, vom 7. Aug. 1799 erklärt Kant, ,dass 
die Kntik allerdings nach dem Buchstaben zu verstehen sei*. Dieselbe Bemerkung 
hatte er schon 1797 in der Erklärung über Schlettwein gemacht, wo er auch seinem 
verdienten Commentator Schultz und dessen , Prüfung« die Ehre lobender Er- 
wähnung schenkte. 

*) Rink bezieht sich hier auf eine ca. 5 Jahre früher geschehene Aufforderung,! 
worüber u. A. in Jakob 's Annalen Jahrg. IL, 1796, p.20G von Jakob in folgender» 
Weise berichtet wird: »Eine ähnliche Zumuthung (Bitte um Rathschläge wegen einer 1 
Uebersetzung) ist von Frankreich aus vomAbt Sieyes durch Hm. Theremin an ihn 
ergangen. Hr. Kant hat mir das ehrenvolle Zutrauen bewiesen, dass er mich auf- 
fordert, diese wichtige Angelegenheit befördern zu helfen*. 



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ZU geben. Die darüber bisher im Publicum erschienenen Nachrichten 
aller Art sind theils sehr verstümmelt, theils ganz unrichtig. Ich wünsche, 
dass Sie bessre Quellen mögen gehabt haben. Gegenwärtig arbeitet 
unser Kant an seinem Uebergange von der Metaphysik zur Physik 
der Natur; aber es geht langsam, und ich glaube nicht, dass er die 
Beendigung dieser Arbeit erleben wird. Auf keinen Fall kann sie so, 
wie sie izt ist, in das Publicum treten. 

Mit sehr grossem Vergnügen ersehe ich aus der gedrukkten Annonce, 
dass Ihre gelehrte Thätigkeit, sich auch über Hörnern und das Alter- 
thum ausbreitet. Vielleicht ahnen Sie es Selbst nicht, wie mir gerade 
dadurch eine nähre Verbindung mit Ihnen um so schäzzbarer wird. 
Sie werden Sich das indessen leicht ei klären können, wenn ich Ihnen 
sage, dass das Studium der griechischen, römischen und orientalischen 
Litteratur von jeher mit meine Lieblingsbeschäfftigung gewesen ist. 
Jener Annonce zufolge erwarte ich hier nicht eine französische Ueber- 
sezzung des Tischbein-Heine'schen Homer, sondern ein aus Ihrer eignen 
Feder geflossenes Werk. Ist lezteres würklich der Fall : so würden Sie 
mich durch gütige Zusendung eines Exemplars ungemein verpflichten, 
und mit Vergnügen werde ich die Zahlung dafür leisten, indem es hier 
überaus schwer hält, dergleichen im Auslande gedrukkte Werke zu er- 
halten. Erlauben es mir die Umstände: so bin ich, wenn Sie es billigen, 
gesonnen, selbst eine Uebersezzung dieser Ihrer beyden Werke für 
Teutschland zu veranstalten, denn ich erwarte mit Zuversiecht etwas 
in jeder Hinsicht Vollkommnes von Ihnen. Gegenwärtig arbeite ich 
an der Herausgabe von Kant's physischer Geographie, die aber gewisser 
Umstände von Seiten des Verlegers wegen, erst zur Ostermesse 1802 
erscheinen wird,") da ich denn nicht verfehlen werde, Ihnen sogleich 
ein Exemplar derselben zuzustellen, wenn Sie die Güte haben, und mir 
auch in Zukunft erlauben wollen, durch eine Anzeige ihres ferneren 
Aufenthaltes, in einer nähern, mir überhaupt schäzzbaren Verbindung 

mit Ihnen zu bleiben. 

Auf das Angelegentlichste empfehle ich mich Ihrer Güte und 



6) Das Werk erschien zur Jubilate-Messe 1802. 



— 8 — 

Freundschaft. Nehmen Sie die Versicherung meiner unwandelbaren 
Hochachtung bestens auf. Ganz der 



Ihrige 



Rink. 



[Von Villers Hand:] 



Dr. der Theologie und 

Philosophie und professor 

derselben. 



Königsberg, d. 1. Juny 1801. 
Theuerster Freund! 

Ihr leztes mir sehr werthes Schreiben, hat mir ungemein viele 
Freude gemacht. Ganz Feuer und Geist, voll Kenutniss und Vorliebe 
für die Sache, sind Sie so ganz eigentlich der Mann, dem philosophi- 
schen Gözzen in Frankreich den Kopf zu zertreten, und auf seinen 
Trümmern dem Criticism einen dauernden Sitz zu errichten. Nur werden 
vier Monate Ihrer persönlichen Gegenwart dazu hinreichen?') Indessen 
Ihre Schriften, und der Same derselben, wenn er auch nur hin und wieder 
auf ein gutes Land fällt, werden den precären Flugschriften der Ent- 
gegenkämpfenden wol den erforderlichen Wiederstand leisten, und sind 
Sie gleich künftighin in Teutschland: so werden Sie deshalb nicht auf- 
hören, auch weiterhin noch auf Frankreich zu würken. 

Also Ihre Exposition erscheint in Kurzem und ich soll die Freude 
haben, sie auf dem nächsten und Schnellesten Wege zu erhalten. Aber 
haben Sie, mein Theuerster Freund, wie Sie mir melden, bereits jemand 
zu der teutschen Uebersezzung engagirt: so nehmen Sie mir zu Liebe 
ja ihr Wort nicht zurük, denn ob ich sie so schnell, wie jener Andre 
zu liefern im Stande seyn dürfte, ist gar sehr die Frage noch, um so 
mehr, da ich izt alle meine Zeit auf Kant 's physische Geographie ver- 
wenden muss, indem der Buchhändler Vollmer sich erdreustet hat, sie 
bereits nach Collegienheften abdrukken zu lassen und herauszugeben. 



') Villers hatte von Napoleon die Erlaubniss erhalten, nach Frankreich zurück- 
zukehren, das er schon 1792 wegen seines Buches »De la liberto* verlassen rausste, 
in dem er die Ausschreitungen der Revolution offen tadelte. ^.Der Aufenthalt in 
Paris brachte ihn dem Vaterlande nicht näher, er emi»fand die Verschiedenheit der 
deutschen und französischen Nation nur noch tiefer und kehrte nach Deutschland 
zurück*. Isler, Einl. XIII. 



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Die ächte, mir von Kant übertragene Ausgabe muss demnach spätstens 
zur Ostermesse 1802 erscheinen. Eine Uebersezzung Ihrer Exposition 
müsste aber ihres Originals würdig seyn, und daher würde ich ihr Mühe 
und Sorgfalt widmen, die mit einer zu sehr beengten Zeit ganz unvereinbar 
sind. Ein andres wäre es, wenn Sie mir Zeit dazu gestatten könnten, 
was ich indessen gar nicht verlangen will, weil ich es nicht verlangen darf. ') 

Ob ich einmal eine Biographie unseres Kant liefern werde, steht 
dahin. Schon beschäiftigen sich hier zur Stelle der unberufenen Hände 
viele damit, und ich fühle keinen sonderlichen Beruf, mich in ihren 
Haufen zu drängen.®) 

Die Schwäche unsers guten Kant nimmt ungemein zu. Sie ver- 
langen von ihm auch nur einige wenige Worte nach dem Empfange 
ihrer Exposition, und ich werde alles mögliche anwenden, ihn zur 
Realisirung dieses Ihres Wunsches zu disponiren. Gleichgültigkeit gegen 
Sie ist wahrlich nicht die Ursache, dass Sie nicht schon einen Brief 
von ihm erhalten haben, sondern gänzlicher Mangel seine Gedanken 
zu einer schriftlichen Abfassung zu sammeln. Dazu bedarf es des 
Abpassens sehr glüklicher Augenblikke. Er könnte würklich noch ge- 
sunder und klarern Kopfes werden, verhinderte er das nicht selbst durch 
die bey ihm fix gewordene Idee, als sey die elektrische Beschaffenheit 
der Luft einzige Ursache aller seiner Uebel, und sey eben daher nichts 
weiter zu thun, als in Geduld eine Veränderung jener Luftbeschaffen- 
heit abzuwarten. '*•) Demnach glaubt er denn, dass ihm sein länger als 
zweyjähriger gänzlicher Mangel an Bewegung, und sein Genuss von 
durchweg schweren Speisen ihm gar nichts schade. ") Kommen Sie 
bald, mein Theuerster Freund, zu uns nach Königsberg, um noch den 
grossen Mann, wenn auch nur in seinen Trümmern noch, kennen zu 



•) Eine solche Uebersetzung des Hauptwerkes von Villers ist leider nicht 
erschienen. 

9) Bekanntlich schrieb Kink 1805 »Ansichten aus Im. Kants Leben*. 

10) Das Nähere hierüber berichtet W asi ans ki, I. Kant in seinen letzten Lebens- 
jahren u. s. w. 1804, S. 40 ff. Die Wolkenbeschaffenheit, den Katzentod und »seine 
Kopfbedrückungen leitete er von derselben Ursache her*. 

**) Ueber diesen Mangel an Bewegung s. Wasianski, p. 55. 121. Ueber die 
im Briefe weiter erwähnte Lebensart ib. 140. 173. 



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— 10 — 

lernen, und verschaffen Sic auch mir dadurch das Glük, einer persön- 
lichen Bekanntschaft mit Ihnen. '*) 

Die Herren Schulz und Jahsche empfehlen sidi Ihnen, wie auch 
unser gute Kaut, auf das Angelegentlichste. Lassen Sic mich bald 
wieder etwas von Ihnen erfuhren. Mit herzlicher Hochachtung und 
Freundschaft ganz der 



Ihrige 



Kink. 



Königsberg, d. W'' August 1801. 
Mein Theurer Freund! 

Meinen herzlichsten Dank für Ihr leztes gütiges Schreiben aus 
Metz. Sie rükken dem Hauptkampfplazze immer näher, sind mm viel- 
leicht schon seit geraumer Zeit drauf, und werden siegen. Das Lästigste 
sind die vielen Hezzer, von denen kaum der Dreyssigste in der Regel 
weiss, was er will, und denen man doch allen antworten muss, will 
man das plaudite! nicht für sich selbst, sondern zum Besten der guten 
Sache, endlich auf seine Seite ziehen. Aber Sieyes, Röderer, und mancher 
andre, werden, wenn ich nicht sehr irre, Ihrer Parthey schon das po- 
litische Gewicht geben, dessen man leider! auch in Sachen der blossen 
Wissenschafft, besonders wenn diese, wie die Philosophie, so stark in 
das practische Leben eingreift, nur noch zu oft bedarf. Noch habe ich 
Ihre Exposition nicht, noch kann ich sie auch nicht füglich haben, 
aber Glük wünschen darf ich Ihnen im Voraus, zu dem Verdienste, das 
Sie sich um Ihr Vaterland erwerben, und das Uinen die gorechteste 
Erkenntlichkeit desselben zusiechert. 

Unser guter Kant ist noch in demselben Gesundheits-, oder rich- 
tiger gesagt, Krankheitszustande, den ich Ihnen neulich schilderte, und 
ich gebe alle Hoffnung auf, dass es je wieder besser um ihn stehen 
wird, wenn er sie gleich nicht aufgiebt, aber denn doch schon sehnlich 
sein Ende wünscht. Noch ist er immer von fünf Uhr frühe auf, wie 
ehedes, noch ist die froheste Zeit für ihn die, welche er mit ein Paar 
Freunden, etwa drey Stunden hindurch am Mittagstische zubringt, aber 



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") ViUers kam nie nach Königsberg. 



— 11 — 

an schriftliche Darlegung seiner Gedanken in Sachen der Philosophie 
und des Lebens, ist nur in einzelnen Augenblikken zu denken. Das 
Versprechen habe ich indessen schon von ihm, dass er ein Paar Zeilen 
für Sie aufsezzen will, und in wenigen Tagen soll ich sie haben. Bis 
dahin bleibt auch dieser Brief noch zurük, den ich izt blos deshalb 
im Voraus schreibe, weil ich gegenwärtig alle Hände voll zu thun 
habe, indem ich spätsteus innerhalb 13 Tagen von hier nach Danzig 
abgehe, wo ich Professor der Theologie, Pastor und praesidirendes Mit- 
glied des geistlichen Ministerii, mit einer sehr ansehnlichen Verbesserung 
meiner Situation, geworden bin. Dahin also, nach Danzig, bitte ich 
Sie, mein Theurer Freund, künftig Ihre Briefe an mich gelangen 

zu lassen. 

Ihr Zutraun zu mir ist zu ehrenvoll, als dass ich es von der Hand 
weisen könnte. Wohlan! es sey denn, sobald ich mit der pbys: Geo- 
graphie auf dem Reinen bin, beginne ich die Uebersezzung Ihrer Ex- 
position, und dass dieses mit dem mir möglichsten Fleisse und der 
sorgfälltigsten Genauigkeit geschehen soll, davon, bitte ich, halten Sie 
Sich im Voraus überzeugt. Es wäre ein Frevel an einem so schönen 
Werke, eine des Originals unwerthe Uebersezzung zu liefern. Um 
CoUisionen zu vermeiden, die ich für sehr wahrscheinlich halte, wäre 
es zwekmässig, wenn Sie es baldigst irgendwo anzeigten, dass Sie mir 
die Uebersezzung aufgetragen hätten. Sollte ich nicht mehr hier seyn, 
wenn die Exemplare Ihrer Exposition ankommen: so habe ich doch alle 
Anstallten getroffen, dass sie an Kant und Schulz bestellt werden, und 
ich das meinige ebenfalls schnell erhalte. 

Schulz und Jähsche empfehlen sich Ihnen angelegentlichst. Lassen 
Sie mich bald wieder etwas von Ihnen und der philosophischen Meta- 
morphose hören, die Sie im Mittelpuncte von Frankreich veranlassen 
werden. Voll inniger Hochachtung und Freundschaft ganz der 

Ihrige 

Rink. 

d. 15*"" August. 

Eben hatte ich Kaufs Billetcnen für Sie erhalten, als mir ein 
Brief Ihres Herrn Bruders aus Dresden und mit demselben die Ankunft 



12 — 



13 — 



der drey Exemplare Ihrer trefflichen Exposition, benachrichtigt wurde. 
Kaum 6 Stunden habe ich das Werk im Hause, nur schnell habe ich 
hier und da einen Blik hineinthun können: aber es ist weder Schmeicheley 
noch Freundschaft, sondern Wahrheit, wenn ich Ihnen selbst es sage, 
dass es mir unvergleichlich gefällt, und dass ich es allen unsern teut- 
schen Standpuncten und sogenannten Darstellungen der crit: Philosophie 
weit vorziehe. Mit zwiefachem Interesse werde ich dieses Werk über- 
sezzen. Noch heute sollen Knut und Schultz ihre Exemplare liaben. 

Kant's Billetchen für Sie hatte ich lieber mit lateinisclicn Lettern 
geschrieben gesehen, und in einem grösseren Format. Verzeihen Sic 
es dem Alter des trefflichen Mannes, wenn es nicht ganz so ist, wie 
Sie es wünschen. Es freut mich ungemein, Ihnen, Theuerster Freund, 
durch Kealisirung dieses Ihres Verlangens, einen geriengen Beweis haben 
geben zu können, wie tlieuer Sie meinem Herzen sind. '^) 

Dass Sie einen Bruder in Dresden hatten, war mir bis diesen 
Augenblick unbekannt; **) ich werde auch an ihn schreiben, und ihm 
meinen Dank für die gütige Uebersendung Ihrer Expos: abstatten. Auch 
ich habe einen Schwager in Dresden, einen liebenswürdigen Mann, den 
Grenadier-Garde-Capitaine von Brunnow. 

Noch einmahl, Gott befohlen! und schreiben Sie bald wieder, an Ihren 

ganz Eignen 

Kink. 



'^) Herr Isler macht die Mittheiluiig, dass er diesen Zettel von Kants Hand 
nicht finden könne. Dagegen thcilte er mir das Fac&iraile eines Blättchens aus der 
Hamburger Autographensammhuig mit j>dessen Echtheit von Schubert bezeugt ist.* 
Meine anfängliche Freude, ein Ineditum Kants mittheilen zu können, wurde durch 
die Wahrnehmung gedämpft, dass Schubert in der Kantbiographie S. l.')9 den Inhalt 
schon mitgetheilt hat, wo er mehrere Mittheilungen aus »den vorhandenen Papier- 
btreifen* aus Kants Nachlass macht. Entweder ist nun das Original erst nach 1842 
nach Hamburg gekommen, oder ist dieser Streifen eben der von Rink erwähnte Zettel 
von Kants Hand, den Schubert dann von Hamburg aus m itgetheilt erhalten liätte und 
der zwar als »Billetchen für Sie* bezeichnet ist, was aber nicht ausschliesst, dass 
dies in einer allgemeinen Sentenz bestanden hat; es braucht keineswegs ein Brief 
gewesen zu sein. Der Zettel enthält den Absatz bei Schubert löO, der mit dem 
Satze: »Glückseligkeit ist das Losungswort aller Welt, aber sie findet 
sich nirgend in der Natur* beginnt, und mit dem Satze: »Daher kann er 
(der Mensch) aber doch den üeberdruss nicht verhüten, den ihm alle 
Mittel das Leben zu versüssen, noch übrig lassen* schliesst. 

") Dieser Bruder hiess Franz Xaver de Villers und war Professor der fran- 
zösischen Sprache am Kadettencorps in Dresden. 




Danzig, d. 12^«» Februar 1802. 

An einer Uebersezzung Ihres Werkes arbeite 

ich, wie Sie bereits aus der AUgem: Lill: Zeit: ersehen werden. Dass 
ich allen Fleiss darauf verwende, versteht sich von selbst. Ihr Zutrauen 
muss ich ehren. Für die Jenaer AUgem: Litt: Zeit: hat Jähsche die 
Recension Ihres Werkes erhalten; ich hoffe, Sie werden sie gründlich 
finden, und mit ihr zufrieden seyn. ' 

Von Kant habe ich noch einen eigenhändigen Brief, '') und durch 
Reisende manchen Gruss erhalten. Aber er schwindet, wie mir meine 
Freunde schreiben, mit jedem Tage mehr hin. Er hat für die Welt 
gelebt! Nie habe ich seine Freundschaft für mich so lebhaft, als bey 
meinem Abschiede empfunden. Es übertraff alle meine Erwartung. 

Danzig, d. 20^«» Februar 1803. 

Auch die übrigen Kantischen Manuscripte 

habe ich Jähsche gegeben, und mich endHch gegen Vollmer gerichtlich 
und durch Actenstükke, in einer kleinen Schrift legitimirt. — 

II. J. Schultz an Villers. 

Königsberg, d. 10. Aug. 1803. 

Das Exemplar für unsern sich Ihnen bestens 

empfehlenden aber leider immer schwächer werdenden Patriarchen habe 
ich ihm Übermacht. — 

III. Reinhold an Villers. 

(Ohne Ortsangabe und Datum.) ") 
^ Sie erwähnen in einer Nachschrift der Fichti- 
schen Philosophie und des durch dieselbe aufgestellten reinenldea- 



»*) Sollte sich dieser und andere ähnliche Briefe Kants nicht noch bei den 
Nachkommen Rink's auffinden lassen? . • -* 

*«) Dieses interessante ürtheil Reinholds über die Kantische Philosophie brmgt 
zwar sachlich nichts Neues, was nicht aus seinen Schriften schon bekannt wäre, Ter- 
dient aber um der präcisen Fassung und der unumwundenen Offenheit wülen der 



— 14 — 

lismus. Meiner gegenwärtigen ") Ueberzeugung nach, ist die Kantische 
Philosophie nichts mehr und nichts weniger als Kritik des bis auf 
Kant in der speculativen Philosophie gemachten künstlichen Vemunft- 
gebrauches — (durch die Empiriker, Rationalisten und Skeptiker) und 
zwar eine Kritik, welche weder von wissenschaftlichen Principien 
ausgeht, noch solche Principien aufstellt — sondern lediglich aus 
der natürlichen, ursprünglichen Ueberzeugung des gemeinen und 
gesunden Verstandes, welche in der unbedingten Vereinigung des Ge- 
wissens und der Erfahrung besteht, schöpft. Die Kantische Phi- 
losophie kritisirt die bisherige Speculation durch die nichtphiloso- 
phische Ueberzeugung des Gewissens und der Erfahrung — durch 
die Eine in der Kritik der practischen Vernunft — die bisherigen Moral- 
systeme — durch die Andere in der Kritik der reinen Vernunft — die 
Metaphysischen. Auch kann ja Philosophie — nicht [?] durch Philosophie 
kritisirt werden. So halte ich das, was in der Kantischen Philosophie 
nicht Uriheil über bisherige speculative Vorstellungsarten, sondern An- 
sicht desjenigen ist, was durch jene Vorstellungsarten hatte erklärt 
werden sollen, aber durch sie verkannt worden ist — für nichts anderes, 
als eine äusserst scharfsinnige, aber blosse logische Auseinandersetzung 
der ursprünglichen natürlichen Ueberzeugung selbst in ihre Elemente. 



Vergessenheit entrissen zu werden. Die Zeit lässt sich genau feststellen. Der Brief 
ist nämlich offenbar eine Antwort auf den Brief von Villers an Reinhold vom 
15. Mai 1799, der nebst zwei anderen (aus den Jahren 1800 und 1801) in »Reinholds 
Leben* von dessen Sohne mitgetheilt wurde (1825). Jener Brief hat folgenden Schluss : 

»P. S. II y a de par le raonde un Prof. Fichte et un Beck et C]^, qui me 
»troublent un peu V entendement par leurs arguments. Mais je suis resolu de pre- 
ysenter d' abord aux Fran9ais le Kant tout pur. Nous verrons ensuite, si le moi 
^et le non-moi, si Tidealisme pur peut se hasarder aussi la-bas*. 

") Dieser Ausdruck ist für Reinhold sehr charakteristisch, der bekanntlich seine 
philosophische ueberzeugung mehrfach gewechselt hat. Zur Zeit des obigen Briefes 
stand Reinhold, nachdem er 1789 die Kantische Philosophie, 1797 seine eigene 
Elementarlehre, jene gegen diese, diese gegen Fichtc's Wissenschaftslehre aufgegeben 
hatte, auf dem Uebergang von Fichte zu Jacobi, verliess aber noch in demselben 
Jahre (Spätherbst 1799) diesen Vermittlungsstandpunkt, um sich Bardili in die Arme 
zu werfen. Hier steht er offenbar noch für Fichte's von Villers angezweifelten reinen 
Idealismus ein. 







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iV. J. S. Beck an Pörschke in Königsberg. 

Anhangsweise folgt hier noch ein Brief aus derselben Zeit, wie die 
bisher raitgetheilteu. Derselbe befindet sich in der Sammlung des 
Directors v. Halm in München, dessen freundlicher Liberalität ich hier 
besten Dank sage. Der Brief ist insbesondere interessant durch das 
Zugeständniss Becks, in seinem absoluten Idealismus zu weit gegangen 
zu sein. Dieses Geständniss ist für die Geschichte der Kantischen 
Philosophie von Werth. 

Kostock, den 30. März 1800. 

Theuerster Freund! 

In Ihrem letzton Briefe sagen Sie mir einiges von der Übeln Laune 
Kants, deren Aeusserungen Sie zum öftern reizen, sich von Ihm zu 
entfernen. Ich erinnere mich, dass Sie mehrmals mich zur Sanftmuth 
und zur Versöhnlichkeit mit Fichte ermahnt, und ich glaube eben daher 
ein Recht zu haben, Sie zu bitten, sich selbst von keiner Übeln Laune 
fangen zu lassen. Dass der Ton der Weisheit in der Seele des wirk- 
lich sonst sehr hochachtungswürdigen Mannes durch den Schall seines 
grossen Ruhmes etwas verstimmt worden sey, mag wahr sein. Bey aller 
Aufmerksamkeit auf sich selbst, kann sich wohl in die Seele des tugend- 
haften Mannes ein Gift einschleichen, das von ihm selbst nicht bemerkt 
wird, und das sich anderen in dem Mangel der Umgangstugenden, in 
mürrischem Wesen, und in der Neigung, alle neben sich geringschätzig 
zu beurtheilen, bemerkbar macht. Ich nehme das alles dem sonst ehr- 
würdigen Greise so sehr nicht übel, auch nehme ich es ihm nicht übel, 
dass er mich in seine Erklärung gegen Fichte verflochten hat. Denn 
was seinen auch gegen mich gerichteten Unwillen betrifft, so denke ich 
darüber so. Er mag vielleicht hin und her einiges in meinem Stand- 
punkt gelesen haben. Nun habe ich allerdings mich darin zum öftern 
über die Dinge an sich etwas zu cras ausgedrückt. Mein Zweck war, 
mich dem faden Geschwätz des Reinholds zu widersetzen, und ich verlohr 
dabei den Begriff des Intelligibeln zu sehr aus den Augen. In einer so 
schwehren Untersuchung war wohl dieser Fehler noch verzeihlich und 
eine freundliche Zurechtweisung von Kant wäre der Sache wohl ange- 



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messener gewesen, als es die hirnlosen Beschuldigungen Schulzens waren, 
denen Kant Beyfall gab. Ich nehme ihm mehr die Schmeichelei übel, 
die er manchem jämmerlichou Menschen erwiesen hat, worin eine ge- 
wisse Unredlichkeit liegt, deren Folgen es eigentlich sind, die dem alten 
Manne jetzt wehe thun. 

— (Nachher sehr harte ürtheile über Fichte und Reinhold.) 
N. S. Ich hörte einmal von einer Arbeit Kants, welche die Meta- 
physik der Natur betreffen sollte. Ist etwas daran? 




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